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Tanten-Filme

auch: Tolle-Tanten-Filme;

Spezifisch deutschsprachiges Subgenre der schwankhaften Verwechslungs-, Verkleidungs- und Travestiekomödie, in der um das tuntenhafte Verhalten von „falschen Tanten“, d.h. in Frauenkleidern auftretenden Männern, eine Geschichte gestrickt wird, ohne dass etwa der sexualpsychologische Kontext von genderbending angesprochen würde. Gehandelt wird dabei aus durchsichtigen, zur Erlangung einer Sache oder Durchsetzung eines Anliegens als „notwendig“ eingeführten Gründen.
Der Erfolg derartiger Filme begann in den 1950er Jahren mit Skandal im Mädchenpensionat (aka: Die drei falschen Tanten, 1952/53, Erich Kobler) und eröffnete einen Reigen von brachialpoetischen Titeln wie der trendsetzenden Tante Jutta aus Kalkutta (1953, Karl Georg Külb; Remakes für TV: 1962, Manfred Brückner, 1990, Willy Millowitsch). Eine Sonderform der Tanten-Filme – und zugleich ihren eigentlichen motivlichen Ursprung – stellen jene slapsticknahen College-Komödien dar, in denen (aristokratische) Studenten einen Kommilitonen zwingen, als ihre (brasilianische) Tante verkleidet aufzutreten. Sie folgen damit dem Theaterstück Charley's Aunt, A Play in Three Acts des Engländers Brandon Thomas von 1892, das seit der Stummfilmzeit kontinuierlich verfilmt wurde (Charleys Tante, 1934, Robert A. Stemmle; 1956, Hans Quest; 1963, Géza von Cziffra; TV-Filme: 1976, Volker Lechtenbrink; 1996, Sönke Wortmann). Schließlich fanden sich die „Tanten“ in Verleihtiteln für Sexfilme wieder – Das bumsfidele Internat hatte den Alternativtitel Charleys Tante nackt (2 Teile, 1969, Norbert Terry).
Die hohe Zeit der Tanten-Filme deutscher Prägung blieben die 1950er bis frühen 1970er Jahre, und mögliche Camp-Lesarten dieser Filme als kryptoschwule klamottige Crossdressing-Späße im Fummel hat ihnen eine bleibende Gemeinde von Anhängern nicht nur in der Gay Community verschafft.

Referenzen