Metainformationen zur Seite

Täterinnen

Täterinnen kommen nicht nur seltener vor als ihre männlichen Kollegen, sie werden auch anders behandelt. Beides hat mit herkömmlichen Geschlechtervorstellungen zu tun und sagt viel aus über die zur Produktionszeit eines Films virulenten Normvorstellungen bezüglich weiblicher und männlicher Täterschaft. Filmische Täterinnen sind grundsätzlich die Ausnahme, zudem gehen sie anders vor als Täter, wählen meist andere, so genannt „weibliche“ Methoden und Waffen (Gift als klassisch weibliches Mordinstrument) und leiden öfter an ihren eigenen Taten als ihre Kollegen. Die Taten der Filmfrauen sind stiller, aber auch intuitiver und emotionaler (sprich: unkontrollierbarer), außerdem fehlt ihnen oft die kaltblütige und/oder von langer Hand vorbereitete Präzision der Männer. Wenn sie es dennoch einmal den Männern gleichtun, dann gilt das oft als viel erschreckender, da ihre Verfehlungen als weitaus gröber empfunden werden (weil sie letztlich Konzeptionen des Weiblichen betreffen) als diejenigen der Männer (denen man den pathologischen Killer oder die menschliche Bestie sowie Serienmord, Sexualdelikte und die ungehemmte Anwendung von Gewalt kommentarlos zutraut). Entsprechend drastisch werden die Täterinnen von ihren (männlichen) Richtern bestraft – und entsprechend reißerisch manchmal bis zur Exploitation neigenden Inszenierungen; wenige Beispiele erzählen von weiblichen Auftragskillern. Charakterstudien, die einen realitätsnahen Zugang versuchen, sind dagegen die Ausnahme.

Beispiele: Violette Nozière (Frankreich 1977, Claude Chabrol); Black Widow (USA 1987, Bob Rafelson); Nikita (Frankreich 1990, Luc Besson); Thelma & Louise (USA 1991, Ridley Scott); Mörderinnen (Deutschland 2000, Pepe Danquart).