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telefoni bianchi: Filme

ital., = weiße Telefone

Mit dem Schlagwort der „weißen Telefone“ wird in der Regel die italienische Filmgeschichte 1930 bis 1944 charakterisiert. Damit soll die eskapistische Darstellung einer heilen Welt von bourgeoisen Salons fernab der sozialen Wirklichkeit indiziert werden. Leider liegt dieser Kennzeichnung eine eher moralistische als analytische Vereinfachung zugrunde. Abgesehen davon, dass die Spielfilmproduktion mit Hilfe staatlicher Filmpolitik 1930 bis 1942 von 6 auf 119 Filme pro Jahr ansteigt und dabei alle Genres bedient (mit sehr wenigen manifesten Propagandafilmen), so dienen selbst die Telefone, Automobile, Züge in diesen Filmen einer generalisierten Modernisierungskampagne, die sehr wohl mit der (Propaganda- wie Lebens-)Realität der Gesellschaft zu tun hat. Das heißt, dass auch die Melodramen und vor allem die sentimentalen Komödien der Blasetti, Camerini, Genina, Mattarazzo, Righelli und anderer durchaus angebunden waren an die Erfahrungswirklichkeit der Menschen – natürlich nicht in einer kritischen, politisch riskanten Dimension.
Verwiesen sei auch darauf, dass der Neorealismus (in Literatur, Kultur und Film) als Suche nach einem neuen Realismus seinen Ursprung in dieser Zeit hat. Die entsprechenden Diskussionen im Filmbereich spielen sich um die Zeitschriften Bianco e nero und Cinema ab, so wie alle neorealistischen Regisseure der ersten Stunde „Überläufer“ mit Filmerfahrungen im Faschismus sind.
Als außerordentlich publikumsträchtige Filmbeispiele seien hier nur Mario Camerinis Komödien mit dem späteren Neorealisten Vittorio De Sica in der männlichen Hauptrolle genannt: Gli uomini che mascalzoni (1932), Il signor Max (1937), I grandi magazzini (1939). 

Literatur: Mida, Masssimo / Quaglietti, Lorenzo: Dai telefoni bianchi al neorealismo. Roma/Bari: Laterza 1980. – Brunetta, Gian Piero: Storia del cinema italiano. 2. Il cinema del regime, 1929‑1945. Roma/Bari : Ed. Riuniti 1979. 2., erw. Aufl. 1993. Neufassung u.d.T.: Il cinema italiano del regime. Roma/Bari: Laterza 2009. – Zagarrio, Vito: L’immagine del fascismo. La re‑visione del cinema e dei media nel regime. Roma: Bulzoni 2009. Zuerst als: Cinema e fascismo. Film, modelli, immaginari. Venezia: Marsilio 2004. – Irmbert Schenk: Normvorstellungen, Schönheitsideale und Widersprüche im italienischen Film der Zwischenkriegszeit. In: Eckhard Leuschner (Hrsg.): Figura Umana. Normkonzepte der Menschendarstellung in der italienischen Kunst 1919-1939. Petersberg: Imhof 2012.