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Telefunken

Auf Geheiß des Kaisers gründeten die beiden Elektrotechnik-Konzerne Siemens & Halske und AEG 1903 in Berlin die gemeinsame „Gesellschaft für drahtlose Telegraphie Telefunken“, um eine Monopolstellung der englischen Marconi-Gesellschaft zu verhindern. 1909 erwarb das Unternehmen die Röhren-Patente von Robert von Lieben, darunter das Schlüsselpatent Nr. 271.059, das die Firma zum Weltkonzern machte. Die Elektronenröhren wurden zu einem der wichtigsten Bauelemente der Funktechnik. Die Vakuumröhren-Elektronik bildete in den 1920ern und 1930ern Jahren die Plattform für den boomenden Markt des zivilen Rundfunks. Der Fernseh-Pionier Walter Bruch entwickelte die erste elektronische Kamera; zur geplanten Einführung des Fernseheinheitsempfängers „E1“ nach dem Vorbild des Hörfunk-Volksempfängers kam es jedoch nicht mehr. Gleichwohl entstanden eine ganze Reihe von Patenten (von insgesamt 20.000 Firmenpatenten), die die Firma als frühen Technologiekonzern auszeichneten. In der Nazizeit wurde Telefunken alleinige AEG-Tochter, 1967 erfolgte die Fusion zu AEG-Telefunken.
Ulm blieb auch nach dem Krieg der Standort für die Sende-, Empfangs- und später auch die Bildröhrenproduktion (Umsatz 1964: 1 Milliarde DM, 36.000 Beschäftigte). PAL wurde der dritte Weltstandard für Farbfernsehen; 1966 sicherte Manfred Börner dem Unternehmen das weltweit erste Patent für ein Glasfaser-Übertragungssystem. Ein Engagement im Bau von Großrechnern mißlang aber (seit 1956, 1974 an Siemens verkauft), Konsumgeräte wie ein Videorekorder (VR40, 1971) oder ein Bildplattenspieler (TP100S, 1973) blieben erfolglos und spielten die Entwicklungskosten nicht ein. Transistoren verdrängten seit den späten 1960ern erst die Empfänger- und allmählich auch die Senderöhren. Das Ulmer Röhren-Werk wurde 1979 an Thomson-Brandt verkauft und zwei Jahre später geschlossen. AEG-Telefunken meldete 1982 Konkurs an, der Daimler-Konzern übernahm die Reste, verkaufte das meiste. Einzig die „Telefunken SenderSysteme Berlin AG“ existiert noch (Stand: 2006) und bereitet die Einführung des digitalen Mittel- und Kurzwellenfunks vor.

Literatur: Strunk, Peter: Die AEG. Aufstieg und Niedergang einer Industrielegende. Berlin: Nicolai 2002. Zuerst 1999. – Thiele, Erdmann: Telefunken nach 100 Jahren. Das Erbe einer deutschen Weltmarke. Berlin: Nicolai 2003. – Zipfel, Astrid: Public Relations in der Elektroindustrie. Die Firmen Siemens und AEG 1847 bis 1939. Köln [...]: Böhlau 1997. Zuerst Diss. Mainz 1996.