Metainformationen zur Seite

Telematik

Neologismus aus Telekommunikation und Informatik

In der Informatik, zu deren Fachgebiet sie gehört, versteht man unter Telematik die Beschäftigung mit hardwarenahen Kommunikationstechnologien, -protokollen und Rechnernetzen. Im kultur- und medienwissenschaftlichen Kontext wurde der Begriff in den späten 1980er Jahren zu einem Modewort in der Diskussion um die Zukunft der Mediengesellschaft. Vor allem Vilém Flusser verband mit reversibel geschalteten Kabeln, in Sonderheit mit den Computernetzen, die Idee der Möglichkeit für einen globalen, unhierarchischen Dialog, für eine spielerische Kommunikation, für einen interessanten Informationsaustausch. Flusser begriff dies im krassen Unterschied zur senderzentrierten, unilateral organisierten und rein konsumptiven Informationsform des Fernsehens, welches er als „fascistisch“ geschaltet bezeichnet – darin auf die ursprüngliche Bedeutung von fasces (= Bündel) zurückkommend. Das Technische und das Ideologische rücken aneinander. Im telematischen Dialog nun werden die fascistischen, zentral kontrollierten Strukturen der Kommunikation durch netzartige Strukturen abgelöst, die tendenziell unkontrollierbar und demokratisch sind und in denen aus vorhandenen Informationen neue erzeugt und den Gedächtnisspeichern wiederum übergeben werden. Dabei vollzieht der telematisch kommunizierende Mensch den Übergang vom Werkzeug- und Maschinen- zu einem entwickelten Informationswesen.

Literatur: Flusser, Vilém: Ins Universum der technischen Bilder. Göttingen: European Photography 1985. 5. Aufl. 1996. – Schmitt-Egenolf, Andreas: Kommunikation und Computer: Trends und Perspektiven der Telematik. Wiesbaden: Gabler 1990.