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Telleranlage

auch: Filmtelleranlage

Das Umrollen des Films vor oder nach jeder Vorführung ist nicht nur aufwendig, sondern führt auch zu Schäden am Filmmaterial, wenn die einzelnen Lagen Film auf der Spule aneinander reiben oder bei Beendigung des Umrollvorgangs auf Tisch oder Boden beschmutzt werden. Daher suchte man schon früh nach Wegen, den Filmanfang aus der Mitte des Wickels herauszuführen, um so mehrere Vorführungen hintereinander ohne Zeitverlust und Materialschädigungen durch Umrollen zu ermöglichen. Der Ravensburger Filmvorführer Willi Burth entwickelte in den 1960er Jahren den sogenannten „Non‑Rewind‑Filmteller“, bei dem der Filmwickel horizontal auf eine etwa 1,5m durchmessende Platte gelegt wird (patentiert 1969). Der Film wird für die Projektion auf einen Ring aus Metall oder Kunststoff aufgewickelt, der vor der Vorstellung entnommen wird und durch eine spezielle Einsteckeinheit ersetzt wird, die es ermöglicht, den Film aus der Mitte der Rolle heraus schräg nach oben über Umlenkrollen zum Projektor zu führen. Nach Durchlauf durch diesen wird der Film wieder zur Telleranlage geführt und auf einer zweiten Tellerebene wiederum auf einen Ring aufgewickelt. Somit liegt der Filmanfang stets innen im Filmwickel, eine erneute Vorführung ist praktisch ohne Zeitverzug möglich. Zudem ist das Verfahren filmschonenender als Spulenbetrieb, da – bei ordnungsgemäßer Bedienung – Bild und Ton des Films immer geführt werden und so nicht verschrammt werden können.
Typischerweise hat eine Telleranlage drei oder fünf Tellerebenen. Für eine Filmvorführung werden zwei dieser Ebenen genutzt (eine als Abwickel‑, die andere als Aufwickelebene), auf der dritten Ebene kann gleichzeitig unter Verwendung eines Umrolltisches ein weiterer Film montiert oder demontiert werden, bei Anlagen mit fünf Ebenen kann parallel ein zweiter Film vorgeführt werden. Für seine Erfindung, die später durch Kinoton vermarktet wurde, erhielt Burth mehrere Auszeichnungen, darunter 1987 den als „Technik‑Oscar“ bekannten Scientific and Engineering Award der Academy of Motion Picture Arts and Sciences.

Referenzen