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Terrorismus: Irland / Nordirlandkonflikt II

(2) Das politische Engagement als privates Glück gefährdendes Element ist auch zentrales Motiv von Filmen über den Nordirlandkonflikt. Hier werden die sozialen und persönlichen Konsequenzen des Terrorismus im Rahmen belasteter Liebesgeschichten aufgezeigt (Cal, Großbritannien 1984, Pat O’Connor; The Boxer, USA/Irland 1997, Jim Sheridan). Der realhistorische Hintergrund zahlreicher Inhaftierungen des Terrors verdächtigter Personen und ihrer Forderung nach Anerkennung als politische Gefangene (insbesondere in den 1980ern) findet mehrfach filmische Aufbereitung (In the Name of the Father, Großbritannien/Irland 1994, Jim Sheridan; Some Mother’s Son, USA/Irland 1997, Terry George). Die Figur des Terroristen befindet sich in diesen Filmen des zumeist melodramatischen Genres in einem Spannungsfeld divergierender Verantwortlichkeiten und gewinnt an Vielschichtigkeit: Partnerschaftliches Interesse und terroristisches Engagement konkurrieren, zudem übt die Terrororganisation massiven Druck auf ihre Mitglieder aus und weigert sich, diese zu entlassen (The Crying Game, Großbritannien/Japan 1992, Neil Jordan).
Während Filme über die frühe IRA starke Legitimierungstendenzen aufweisen, indem der Defensivcharakter der Agitation gegen einen übermächtigen Besatzer betont und das Etikett des „Terrorismus“ selten in Anwendung gebracht wird, herrscht bei den Bearbeitungen des Nordirlandkonfliktes ein desillusionierter Ton vor. Hier dominieren Konnotationen des Kriminellen der (eindeutig als solche benannten) Terrorgruppe sowie die Bedrohung, die sie selbst für ihre eigenen Mitglieder darstellt.

Literatur: Hill, John: Cinema and Northern Ireland. Film, culture and politics. London: BFI 2006. – Landy, Marcia: The international cast of Irish cinema. The case of Michael Collins. In: Boundary 2 27,2, 2000, S. 21-44. – McIlroy, Brian: Shooting to Kill. Filmmaking and the 'Troubles' in Northern Ireland. Trowbridge, Wiltshire: Flicks Books 1998. – McLoone, Martin: Irish Film. The Emergence of a Contemporary Cinema. London: British Film Institute 2000. – Schulze, Laurie: Performativity in Disguise: Ideology and the Denaturalisation of Identity in Theory and The Crying Game. In: The Velvet Light Trap, Spring 1999, S. 51-63.

Referenzen