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Terrorismus: Kaschmirkonflikt (im Bollywoodfilm) I

Der Begriff „Kaschmir-Konflikt“ bezeichnet einen Streitfall zwischen Indien und dem benachbarten Pakistan, in dem beide Konfliktpartner Anspruch auf diese Grenzregion erheben. Seit der Staatengründung der Länder 1947, bei der das Gebiet an Indien angeschlossen wurde, schwelt der Konflikt mit unterschiedlicher Brisanz und es wurden bereits drei Kriege geführt. Heute steht ein Teil des Gebietes – Asad Kaschmir – unter pakistanischer Verwaltung, durch eine Waffenstillstandslinie (Line of Control) von dem Indien zugehörigen Teil – Jammu und Kaschmir – getrennt.
Seit den 1960ern ist die Kaschmir-Region eine beliebte Kulisse indischer Liebesfilme (z.B. in Kashmir Ki Kali, IT: Kashmiri Beauty, 1964, Shakti Samanta). Die paradiesischen Bilder solcher Werke zitieren in erotisch konnotierten Tanz- und Gesangszenen Motive der hinduistischen Mythologie (z.B. das spielerische Werben Krishnas um seine Gefährtin Radha). Aufgrund von zunehmender terroristischer Aktivität und Militärpräsenz ist in den letzten beiden Jahrzehnten das Filmen in der Region mit erheblichem Risiko verbunden. Seither wird verstärkt auf andere Drehorte mit ähnlichen geografischen Merkmalen (z.B. die Schweiz) ausgewichen.
Während einige patriotische Actionfilme realhistorische Grenzkonflikte zwischen Pakistan und Indien thematisieren (Line Of Control – Kargil, 2003, J.P. Dutta; Lakshya [Mut zur Entscheidung], 2004, Farhan Akhtar), wird der Terrorismus in der Region häufiger melodramatisch bearbeitet. Hierbei wird die gespaltene Nation allegorisch als dysfunktionale Familie portraitiert: Der Terrorist tritt als verlorener Sohn in einem ödipalen Konflikt auf, Mitglieder der Terrororganisation haben ersatzelterliche Funktion für den jugendlichen Aggressor und in dieser Rolle wesentlichen Anteil an seiner Gewaltbereitschaft (Mission Kashmir, 2000, Vidhu Vinod Chopra). Relativierend wirkt auch die Situierung des Terroristen in partnerschaftlichen Kontexten, die von Tragik gezeichnet sind und eine empathische Involvierung von Seiten des Zuschauers begünstigen.

Literatur: Kabir, Ananya Jahanara: Nipped in the Bud? Pleasures and Politics in the 1960s ‘Kashmir Films’. In: South Asian Popular Culture 3,2, 2005, S. 83-100. – Schneider, Alexandra (Hrsg.): Bollywood – Das indische Kino und die Schweiz. Zürich: Museum für Gestaltung 2002. – Saksena, Ritu: Mapping Terrorism: Amorphous Nations, Transient Loyalties. Ph.D.-Thesis, College Park, MD: University of Maryland 2006.

Referenzen