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Theaterstücke nach Filmvorlagen

nach dem Muster von Filmroman auch: Filmtheaterstück; gemeint sind Adaptionen von Filmen in Theaterstücken; engl.: to theatricalize

Die Inszenierung von Theaterstücken nach bekannten Filmen hat in der Adaptions- bzw. Intermedialitätsforschung bislang wenig Aufmerksamkeit gefunden, in der der Film meist als Zieltext der Umsetzung angesehen wird. Im heutigen Theaterrepertoire findet sich eine durchaus relevante Zahl von Inszenierungen, die – den Weg der traditionellen Adaption von Theaterstücken für den Film umkehrend – nach genuinen Filmstoffen gemacht sind. Einige Beispiele aus jüngster Zeit: Herbstsonate(Deutsches Theater Berlin, 2015) nach dem Film von Ingmar Bergman, Dogville Dramanach dem gleichnamigen Film von Lars von Trier (Theater Ulm 2017), Das Schlangeneinach Ingmar Bergman (Residenztheater München 2017). Bei Dogvillekommt das Mediengattungsverhältnis komplizierend noch dazu, dass das settingdes Films selbst schon ein „Bühnenzitat“ ist. Die Gründe für das Entstehen dieser Theaterstücke sind sicherlich vielfältigster Art. Die Nähe der Drehbücher Bergmans zum Kammerspiel wie auch ihre Eigenständigkeit als dramatische Entfaltungen des Ringens um Identität, die Gleichzeitigkeit der Arbeit von Regisseuren wie Rainer Werner Fassbinder in Theater und Film (die Fassbinder-Foundation spricht auf ihrer Homepage von 8 seit 1995 nach Filmstoffen entstandene Bühnenadaptionen, unter ihnen Satansbraten, Münchner Kammerspiele 2012, oder In einem Jahr mit 13 Monden, Residenztheater Marstall, München 2017), die Ikonizität mancher Filme (so bei Holly Golightly, Theatersommer Ludwigsburg 2014, nach dem Film Breakfast at Tiffany‘s,Blake Edwards, 1961, nach dem Roman von Truman Capote, 1950) oder auch die Option der Parodierung und Satirisierung bekannter Filmstoffe (wie man an Walter Bockmeyers als Videoaufzeichnung zugänglichem Sissi - Beuteljahre einer Kaiserin, 1989, nachhalten kann), vielleicht auch nur die durch den Film gewonnene Publizität von Stoff oder Titel (wie etwa Harry Potter and the Cursed Child, der Fortsetzung der sieben Harry-Potter-Romane von Joanne K. Rowling als Theaterstück im Palace-Theatre, London, 2017, Regie: John Tiffany) – die Transformation von Filmstoffen in das so andere Dispositiv des Theaters sucht immer einen Zusatzwert auszustellen, der die Filme in neue Gebrauchs- und Sinnhorizonte einbringt. 

Literatur: Dendorfer, Sabine: Theater wie Kino. Der Kinofilm als Bühnenadaptation. Medienästhetische Parallelen im Austausch zwischen Film und Theater auf der zeitgenössischen deutschsprachigen Bühne. Diss. München 2012. – Lang, Joachim: Episches Theater als Film. Bühnenstücke Bertolt Brechts in den audiovisuellen Medien. Würzburg: Königshausen & Neumann 2006. – Aufführungsübersicht: Werkstatistik „Wer spielte was?“ Werke, Inszenierungen, Aufführungszahlen, Zuschauerzahlen. Hrsg. v. Deutscher Bühnenverein, Bundesverband der Theater und Orchester, 1991ff.