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Third Cinema

Der Begriff stammt von lateinamerikanischen Filmemachern, wurde in Afrika und Asien übernommen und bezeichnet das Programm eines Kinos, das sich in den 1960er und 1970er Jahren bewusst gegen das first und das second cinema (Hollywood resp. das europäische Art Cinema) richtete. Gefordert wurde ein manifest linkspolitisches Kino, dem System- und Gesellschaftskritik immer schon eingeschrieben sein sollte. In Arbeiterfilmen wurden die dramatischen Klassenverhältnisse angeklagt, und entsprechend standen die Massen im Blickpunkt. Das Private, dem der Beigeschmack des Bourgeoisen anhaftete, trat gegenüber den Zielen der Gesellschaft in den Hintergrund, und Individuen standen oft nur dann im Zentrum, wenn sie in Parabeln und Allegorien für die Idee der Masse stehen. Der traumatischen Erfahrung des Kolonialismus und des damit einhergehenden fundamentalen Verlustes kultureller Eigenständigkeit stellten die Filme die tiefe Sehnsucht nach einem oft romantisierten, als heil und genuin gedachten status quo ante gegenüber. Die Filmemacher setzten bewusst auf eine Ästhetik des Mangels und der Rauhheit und wehrten sich damit, ähnlich wie zuvor das Cinema Nôvo, gegen die kapitalistische Hegemonie des aufwändig-luxuriösen first cinema. Beispiele sind La Hora de los Hornos (F. Solanas, Argentinien 1968), De cierta manera (Sara Gómez Yera, Kuba 1970), Xala (Ousmane Sembene, Senegal 1974). 
 

Referenzen