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tradition de qualité

Abwertend gemeinter Begriff für jenen Teil des französischen Filmschaffens nach 1945 und vor der Nouvelle Vague, der den Kritikern der Filmzeitschrift Cahiers du cinéma(Chabrol, Godard, Rivette, Rohmer, Truffaut) missfiel: Es sei konventionell, glatt, auf Unterhaltsamkeit und Spannung ausgerichtet, von vordergründigem Tiefsinn, psychologischem Realismus und eher billigem Pessimismus – das Produkt älterer Routiniers eben. Es sei realitätsfern und sperre seine Figuren in eine Welt ein, „die durch Formlen, Wortspiele und Maximen verbarrikadiert ist“. Der Floskelhaftigkeit im Dialog trete die Ausgeklügeltheit der Bilder, die Prätentiösität von Dekor und Spiel zur Seite.
Die Bezeichnung geht auf einen berühmten, aber undifferenzierten und polemischen Artikel von Truffaut («Une certaine tendance du cinéma français », 1954) zurück, der zum Manifest der Nouvelle Vague wurde. Namentlich werden die Regisseure Claude Autant-Lara, Jean Delannoy, René Clément, Yves Allégret und Marcel Pagliero sowie die Drehbuchautoren Jean Aurenche und Pierre Bost genannt und ihre Filme – ebenso undifferenziert – als cinéma de papa bezeichnet. Zu den Filmen rechnen u.a. Les Orgueilleux (Yves Allégret, 1953), Gervaise (René Clément, 1955) oder En Cas de Malheur (Claude Autant-Lara, 1958). Gegenbegriff und -konzept gleichermaßen ist das cinéma des auteurs, der Autorenfilm.

Literatur: Truffaut, François: Une certaine tendence du cinéma français. In: Cahiers du Cinéma, 31, Jan. 1954, S. 15-28. Dt.: Eine gewisse Tendenz im französischen Film. In: Der Film. 2. Hrsg. v. Theodor Kotulla. München: Piper 1964, S. 116-131.

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