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Trailer-Stimme

auch: trailer voice, trailer voice-over

Die Trailerstimme ist der typische voice over-Kommentar, der die in der Regel 90 bis 150 Sekunden langen Filmtrailer begleitet. Sie gewinnt an Bedeutung, als ab den 1950ern die Filmvorschau allmählich dazu übergeht, nicht mehr nur Filmstars zu nennen, Schauwerte und Attraktionen mit emphatischen Titeln zu annoncieren, sondern immer stärker Plots zu resümieren und Erzählkontext zu vermitteln. Der häufig favorisierte, auktoriale Erzählgestus schlägt sich (nicht nur in ernsten Gattungen wie dem Drama oder dem Kriegsfilm) im Klischee der maskulinen Erzählerstimme nieder, die mit biblischem Bass den Plot im Gewand einer exemplarisch-legendenhaften Geschichte erzählt, die Anspruch auf Allgemeingültigkeit erhebt. So doziert Percy Rodriguez, die Stimme im Trailer zu Jaws (1975, Steven Spielberg), der monströse Hai habe „millions of years of evolution” ohne Veränderung überstanden, „as if God created the devil“. Aus der Nähe zur Predigt erklärt sich die Tendenz der Trailerstimme zur „anonymen Väterlichkeit“, womit zugleich die adressierte Wertegemeinschaft auf einen „moralischen Kode“ eingeschworen wird (Hediger). Sprecher, die diesen Gestus paradigmatisch verkörpern (u.a. Don La Fontaine, der Tausende von Filmtrailern und Werbespots eingesprochen hat), wurden zu Stars, ihre markante Stimme zum Markenzeichen, ihre typischen Phrasen („in a world“) zu Klischees. Die Wahl fast ausschließlich männlicher Sprecher weist darauf hin, dass im patriarchalen Filmbetrieb die Erzählautorität zumeist männlich konnotiert ist; kognitive Studien legen nahe, dass dieser implizite Sexismus auch in der Literatur greift, wo die Leser – möglicherweise konditioniert durch die Verbreitung männlicher Trailerstimmen – geschlechtsneutrale Erzählstimmen mehrheitlich als männlich wahrnehmen. Im postmodernen Kino (etwa im Trailer zu Comedian, 2002, Christian Charles) werden die verbreitetsten Klischees inzwischen persifliert.

Literatur: Fludernik, Monika: The Genderization of Narrative. In: Recent Trends in Narratological Research. Ed by John Pier. Tours: Groupes de Recherches Anglo-Américaines de l’Université François Rabelais de Tours 1999. S. 153-175. – Hediger, Vinzenz: “Make them as entertainment.” Wie der Trailer im Jahr 1934 die Weihen der Unterhaltungskunst erhielt. In: Cinema 41, 1996, S. 128-140.