Metainformationen zur Seite

Trance-Film / Trance im Film

aus dem Franz., von lat. transitus = „Übergang“. Unter Trance versteht die Psychologie einen Zustand, der dem der Hypnose ähnlich ist, aber auch Verwandtschaft mit Formen der Ekstase und dem Phänomen des Schlafwandelns (Somnambulismus) zeigt und der mit Einengung des Bewusstseins und Schwächung des Willens einhergeht

Trance erscheint im Film hauptsächlich in drei Formen:

(1) Der Trance-Film als Erscheinung des expressionistisch orientierten Avantgarde-Films zeigt eine Figur – häufig die Filmemacher-Autoren selbst – in einer wachtraum-ähnlichen Umgebung, in der sie wie beim Psychodrama befremdliche Selbsterfahrungen macht oder auch Identitätskrisen durchläuft. Als Meisterin dieser Gattung gilt Maya Deren mit Werken wie Meshes in the Afternoon (1943, mit Alexander Hammid); At Land (1944), Ritual in Transfigured Time (1946); Meditation in Violence (1948). „Choreocinema“, Tanz- und Voodoo-Erfahrungen rücken einige ihrer Filme in die Nähe zum ethnografischen Film, insbesondere Divine Horsemen: The Living Gods of Haiti (posthum, 1985). Trance-ähnliche Sequenzen verwendet auch Anticipation of the Night (1962, Stan Brakhage), ein poetischer Stummfilm von 40min Länge, und Sleep with Open Eyes (1992, Marlon Fuentes), ein autobiografischer Trance-Film.
(2) Im Bereich der sogenannten Visuellen Anthropologie und des ethnografischen Films, der sich auch mit den religiösen und psychedelischen Rauscherfahren nichtwestlicher Kulturen beschäftigt, sind die Überlegungen von Jean Rouch zum „ ciné-trance“ wichtig geworden. In seinem wohl bekanntesten Dokumentarfilm Les Maîtres fou (1954) untersucht er mit den Mitteln der „partizipierenden Kamera“, die ganz bewusst den Wahrnehmungsapparat des Ethnologen in den Dienst des Films stellt, den neo-schamanistischen Hauka-Ritus in Nigeria. Weitere wichtige ethnologische Trance-Filme zu den bewusstseinserweiternden Modi von Tanz, Musik und religiöser Besessenheit sind der Kurzfilm Trance and Dance in Bali (1952, Gregory Bateson & Margaret Mead) und A Balinese Trance Seance (Indonesien 1981, Patsy Ash & Timothy Ash).
(3) Elemente der – oft durch Hypnose herbeigeführten – Trance verwendet der publikumsorientierte Horrorfilm. Berühmt geworden sind Jacques Tourneurs Spielfilme Cat People (1942), der das Motiv der Tierverwandlung mit dem der Trance verbindet, und sein Voodoo-Film I Walked with a Zombie (1943). Auch Roger Corman hat sich des Themas angenommen, so in The Undead (1957) und in der Episode „The Facts in the Case of Mr. Valdemar“ von Tales of Terror (1962), einer Adaption der Mesmerismus-Erzählung nach Poe. Die Teufelspakt-Geschichte Angel Heart (1987, Alan Parker) setzt auf Trance-Strukturen des haitianischen Voodoo-Kults und betont dabei den Aspekt des nachträglichen Nichterinnerns; als Thriller inszeniert Trance (2002, Gary Dean Orona) die Selbstfindungsreise einer Frau zwischen Magie und Realität, und Michael Almereydas Trance (1998) verlegt Tranceerfahrungen in den Kontext einer Gothic Horror-Geschichte über Alkoholismus und Wiedergängertum.

Literatur: Deren, Maya: Choreographie für eine Kamera. Schriften zum Film. Hamburg: Material-Verlag 1995. – Hoth, Kevin J.: The problem of possession trance in ethnographic film . Enth. eine Filmographie. – Jackson, Renata: The modernist poetics and experimental film practice of Maya Deren, 1917-1961. Lewiston, N.Y.: Mellen Press 2002. – Nichols, Bill (ed.): Maya Deren and the American avant-garde. Berkeley: University of California Press 2001. – Sitney, P. Adams: Visionary film: the American avant-garde, 1943-2000. 3rd ed. Oxford/New York: Oxford University Press 2002 [zuerst 1974, 1979].

Referenzen