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Überbelichtung

engl.: overexposure

(1) Eine Überbelichtung wird verursacht durch eine zu lange Lichteinwirkung auf die Emulsion des Rohfilms. Infolgedessen ist das Negativ zu dunkel und das davon erzeugte Bild zu hell, so dass Details des Aufgenommenen unter einem weißen „Schleier“ verschwinden oder weniger gut zu erkennen sind. Zum Ausgleich der Überbelichtung wählt das Kopierwerk eine Unterentwicklung, d.h. eine verkürzte Entwicklung des Films.

(2) Überbelichtungen werden manchmal stilistisch verwendet, um dem Bild eine besondere Aura zu verleihen, es zu „sentimentalisieren“, es zu verklären und gleichermaßen zu irrealisieren und zu subjektivisieren. Derartige Aufnahmen haben oft einen halluzinatorischen, an „Traum“ gemahnenden Effekt. Zahlreiche Beispiele sind darum subjektive Erinnerungssequenzen oder -einzelbilder. Ein komplexes Beispiel ist Jiri Menzels Film Konec starych casu (Ende der alten Zeiten, 1989), der insgesamt leicht überbelichtet ist und so den Anschein eines „Erinnerungsmärchens“ erweckt.
(3) Ein Extremfall der Überbelichtung ist die „Abblende in die Überbelichtung“ (engl. washout), bei der das Bild nicht in Schwarz, sondern in Weiß abgeblendet wird. Ein Beispiel ist Fassbinders Effi Briest (1972-74), dessen Abblenden konsequent als washouts gesetzt sind.

Literatur: Brinckmann, Christine N.: Überstrahlung. In: Kritik des Ästhetischen - Ästhetik der Kritik. Festschrift für Karl Prümm. Hrsg. v. Andreas Kirchner, Astrid Pohl u. Peter Rie­del. Marburg: Schüren 2010, S. 285-294.