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Unterwelt

Ursprünglich war die Unterwelt die Welt der Schatten und des Todes (der griechische Hades), später dann eine Umschreibung für die Hölle (in der christlichen Tradition). Spätestens seit Eugène Sues Roman Les Mystères de Paris (1842) ist die Vorstellung der „Unterwelt“ als einer illegalen Parallelwelt in Großstädten zum Allerweltswissen geworden – die Vorstellung einer Welt, die von organisierten Verbrecherbanden dominiert wird, die eigene Ordnungen hat und ein eigenes System von Pflichten und Relegationen umfasst. Die Gruppen, die die Unterwelt bevölkern, haben eigene Hierarchien, Gesetze und Verhaltensnormen, wie Fritz Langs M – Eine Stadt sucht einen Mörder (1931) zeigt, der mit einem seltsamen Tribunal in der Unterwelt endet. Zentrale Wertvorstellung der Unterweltler ist der ökonomische Erfolg als Gruppe auf der Basis eines spezifischen Ehrenkodex bzw. die Prädominanz der je eigenen Gruppe im Fall von Konkurrenzkämpfen, Bandenkriegen u.ä. (Als Beispiel können Gangsterfilme Underworld, 1927, Josef von Sternberg, oder The Roaring Twenties, 1939, Raoul Walsh, aber auch Filme wie The Killing of a Chinese Bookie, 1972, John Cassavetes, dienen). Zur Sozietät der Unterwelt gehören neben kriminellen Banden, deren Geschäft insbesondere Schutzgelderpressung, Alkoholschmuggel (v.a. zur Zeit der amerikanischen Prohibition), Drogen- und Waffenhandel sowie Prostitution, illegales Glücksspiel und Korruption ist, auch das entsprechende Ambiente (Bars, Hinterzimmer, Luxusimmobilien etc.). Effekt der Unterweltaktivitäten ist die Untergrabung staatlicher Autorität sowie die Bedrohung bürgerlichen Lebens durch Chaos und Anarchie. Die Unterwelt ist weitestgehend eine Welt männlicher Macht, sie dramatisiert die andere Realität meist am Schicksal einzelner Figuren. Gelegentlich werden die Regeln der Unterwelt aber aus der Perspektive von Frauen oder von Underdogs, die wie die Frauen die Regeln verletzen, ex negativo erhellt – in Wise Guys (1986, Brian de Palma) etwa, in Gloria (1980, John Cassavetes), in dem ein Gangsterliebchen sich gegen die Todesjustiz der Verbrecher auflehnt, oder in Married to the Mob (1988, Jonathan Demme). Heute sind bürgerliche Welt und Unterwelt räumlich, stilistisch und moralisch nur noch wenig voneinander getrennt, die Grenzen verwischen sich.

Literatur: Wiersch, Kerstin: Unterweltsversammlung und Höllenkonzil. Ein epischer Szenentypus von der Antike bis Milton. Diss. Heidelberg 1997.