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Utopie

von griech.: ou (= nicht) und topos (= Ort), als Bezeichnung eines Ortes, der nicht real, sondern nur in der Imagination existiert

Eine Utopie ist ein Motiv, in dessen Zentrum eine Idealvorstellung menschlichen Zusammenlebens steht, eine Zukunfts- und Möglichkeitsvision also, wenn auch (meist) ohne Anspruch auf direkte Verwirklichung. Grundsätzlich kann die Formulierung einer Utopie (das, was sein soll) mit der konkreten Formulierung einer Gesellschafts- und Gegenwartskritik (dem, was ist) einhergehen; diese kann aber auch mehr oder weniger versteckt mitgemeint sein. Als sozusagen umgekehrte, negative Variante gilt die Dystopie, die pessimistische Zukunftsvision. Oft, aber keineswegs immer, arbeitet die Science Fiction mit Weltentwürfen, die jenachdem utopischen oder dystopischen Charakter haben können.
Als „Gesellschaftsvision“ wird der „Nicht-Ort“ 1516 von Tomas Morus in seinem Entwurf einer künftigen, humanistischen Gesellschaft auf der fiktiven Insel namens „Utopia“ (so auch der Titel von Morus‘ Buch, das neben Campanellas „Der Sonnenstaat“, 1602, und Bacons „Neu-Atlantis“, 1626, zu den Klassiker der Staatsutopien zählt) konkretisiert, damit dem Thema des Utopischen Kontur gebend. Der deutsche Philosoph Ernst Bloch erweiterte das Utopische 1959 in seinem Werk „Das Prinzip Hoffnung“ zu einem universalen Mittel der Reflexion, durch das der über sich selbst hinausdenkende Mensch sich in „konkreten Utopien“ entwirft. Darum rechnen eine ganze Reihe von Filmen zum thematischen Kreis des Utopischen, die das Utopische als Dimension des Wünschens und Wollens, manchmal gar des Handelns der Figuren ansprechen; zu diesen Filmen zählen À nous la Liberté (Frankreich 1931, René Clair), Salt of the Earth (USA 1954, Herbert J. Biberman), Jonas qui aura 25 ans en l'an 2000 (Frankreich/Schweiz 1976, Alain Tanner) oder Idioterne (Dänemark 1998, Lars von Trier). 

Literatur: Billard, Claude: La fin heureuse de l'utopie. In: Les Cahiers de la Cinémathèque, 44, 1986, S. 48-71. – Gauthier, Guy: Le cinéma, les utopies et les contre-utopies. In: CinémAction, 25, Mars 1983, S. 20-27. – Parmalee, Patty Lee: Rethinking utopia. From Metropolis to Batman. In: Rethinking Marxism 4,2, 1991, S. 79-91.
 

Referenzen