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Verfahren: Formalismus

Leitbegriff der formalistischen Kunstauffassung, der es ermöglicht, Kunst als autonome Sphäre und die einzelnen Kunstformen als spezifische Operationsweisen zu bestimmen. Betont wird damit die Konstruiertheit von Kunst, deren Gemachtsein. Kennzeichnend für die Kunst ist „das Verfahren der erschwerten Form“ (Šklovskij). Dies erfordert eine Wahrnehmung, die dem bloßen Wiedererkennen der Alltagswahrnehmung entgegengesetzt ist. Die Spürbarkeit des Verfahrens ist für die Formalisten generelle Voraussetzung ästhetischer Erfahrung. Durch seine Entblößung kann das Verfahren selbst zum Gegenstand der Kunstwahrnehmung werden. Komplementär zum Begriff des Verfahrens steht der des Materials. Das Verfahren macht das Material in seiner Spezifik wahrnehmbar und differenziert es. Da es sich selbst im Zuge dessen automatisiert, bedarf es seinerseits der Verfremdung.

Literatur: Sklovskij, Viktor: Art as technique. In: Russian formalist criticism: Four essays. Ed. by Lee T. Lemon and Marion J. Reis. Lincoln, Neb.: University of Nebraska Press 1965, S. 3-24. Zuerst russ. 1916. Dt.: Kunst als Verfahren. In: Russischer Formalismus. Texte zur allgemeinen Literaturtheorie und zur Theorie der Prosa. Hrsg. u. eingel. v. Jurij Striedter. München: Fink 1969, S. 3-35.