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Verschiebung

(1) Das Verfahren der Spezifizierung (oder „Verschiebung“) spezifiziert die allgemeinere Verfremdung als Verfahren zur Schaffung ästhetischer Differenzqualitäten. Das „Fehlen einer primären Verschiebung“ unterscheidet für Šklovskij den Film von der Literatur. Im Film wird die Verschiebung der Wahrnehmung aufgrund seiner Fundierung in einer mechanischen Reproduktionstechnik erst auf der Ebene des kunstimmanenten Materials wirksam. In der Verfremdung linearer Anordnungen (Verfahren der Umstellung, Vor- und Nachordnung, Abschweifung und Auslassung) entdeckt die Verschiebung die Unabhängigkeit des Sujets von der Fabel und führt die Prinzipien des filmischen Umschnitts auf die Syntagmatik der Montage zurück.
(2) Verschiebung beschreibt eine Operation der Traumarbeit: Durch die Verfremdung von Inhalten kann deren Inhalt bewahrt werden, ohne dass der Träumende sich verrät. In diesem Sinne der „Verheimlichung“ oder des „Schützens“ ist die Verschiebung (ähnlich wie die Maskierung, die Fragmentierung oder die Symbolisierung) z.B. in der Darstellung des Erotischen auch im Film zu verzeichnen.