Metainformationen zur Seite

Vietnamfilm

auch: Vietnamkriegsfilm

Der Vietnamfilm ist ein Subgenre des Kriegsfilms. Neben Ausnahmen wie dem „allegorischen Vietnamfilm“ (Stefan Reinecke), der den Vietnamkrieg nicht unmittelbar ins Zentrum seines Plots stellt, sondern Vietnam an anderen Ereignissen parabelhaft diskutiert (z.B. Chato‘s Land, 1972; M*A*S*H, 1970), oder Filmen, die den Weg der Rekruten in den Vietnamkrieg, aber nicht den Krieg selbst und seine Folgen zeigen (z.B. Hair, 1979;Tigerland, 2000), lässt sich der Vietnamfilm hinsichtlich seines Fokus primär in zwei Untergruppen gliedern: Das Combat Movie versucht die unmittelbaren Ereignisse während des Krieges in Vietnam darzustellen. Der quantitativ dominante Veteranenfilm beschäftigt sich mit den mittelbaren Folgen des Krieges in den USA, erzählt von den gelungenen oder gescheiterten Reintegrationsversuchen der aus Vietnam heimgekehrten US-Soldaten.
Verlangt man vom Vietnamfilm eine aufklärerische Haltung gegenüber einem Krieg, der seit den 1970er Jahren im gesellschaftlichen Diskurs der meisten westlichen Nationen in seinen Zielsetzungen als äußerst zweifelhafter und in der Eskalation seiner militärischen Gewalt als unverhältnismäßig brutaler Militäreinsatz der USA gilt, so ist ein Überblick über den Vietnamfilm US-amerikanischer Produktion eher ernüchternd. Von einigen wenigen kritischen combat movies wie Full Metal Jacket (1987) und Apocalypse Now (1979) abgesehen, bietet das Gros dieser Art von Vietnamfilmen die Historie verklärende, verzerrende oder gänzlich ignorierende (Action-)Plots (z.B. Platoon 1986; Rambo – First Blood, Part II, 1985; Missing in Action II, 1984). Eine kritische Auseinandersetzung mit Vietnam findet vorrangig innerhalb des Veteranenfilms statt (z.B. Coming Home, 1977; The Deer Hunter, 1978; Born on the Fourth of July, 1989). Allerdings bleibt die Kritik dort fast gänzlich auf die Kriegsfolgen für die amerikanische Gesellschaft beschränkt. Zwar kann man dem einzelnen Veteranenfilm nicht vorwerfen, dass er sich mit der Darstellung des Heimkehrerschicksals ein Sujet sucht, das von den Kriegsereignissen und -folgen in Vietnam sowie den Opfern auf vietnamesischer Seite weitgehend absieht, jedoch scheint die deutliche Dominanz des Veteranenfilms innerhalb des „kritischen Vietnamfilms“ US-amerikanischer Produktion vor dem Hintergrund einer umfassenden und aufrichtigen Aufarbeitung des gerade für die vietnamesische Seite verheerenden Krieges mehr als fragwürdig.

Literatur: Adair, Gilbert: Vietnam on Film: From The Green Berets to Apocalypse Now. New York: Proteus 1981. – Anderegg, Michael (ed.): Inventing Vietnam: The War in Film and Television. Philadelphi: Temple University Press 1991. – Dittmar, Linda / Mixchaud, Gene (eds.): From Hanoi to Hollywood: The Vietnam War in American Film. New Brunswick: Rutgers University Press 1990. – Malo, Jean-Jacques / Williams, Tony (eds.): Vietnam War Films: Over 600 Feature, Made-for-TV, Pilot, and Short Movies,1939-1992, From the United States, Vietnam, France, Belgium, Australia, Hong Kong, South Africa, Great Britain, and Other Countries. Jefferson, N.C.: McFarland 1994. – Muse, Eben J.: The Land of Nam: The Vietnam War in American Film. Lanham, Md.: Scarecrow Press 1995. – Petersen, Christer: Zeichen des Krieges in Literatur, Film und den Medien. Bd. 1: Nordamerika und Europa. Kiel: Ludwig 2004, S. 194-230. – Reinecke, Stefan: Hollywood Goes Vietnam. Der Vietnamkrieg im US-amerikanischen Film. Marburg: Hitzeroth 1993.
 

Referenzen