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Vorstadt-Krimi

engl.: suburban thriller

Kurz nach dem zweiten Weltkrieg entwickelte sich die Vorstadt neben der Kleinstadt zum Ort des Verbrechens. In der Realität wie im Film als Fluchtraum den Innenstädten entgegengesetzt, als Raum kleinbürgerlich-mittelständischen Friedens charakterisiert und als lebensweltliche Idylle gegen die Verwahrlosung und den Schmutz, die Aggressivität und Anonymität der eigentlichen Städte abgesetzt, konnte sich das Verbrechen als umso unerwartbarer und schrecklicher zeigen. Filme wie Don Siegels Private Hell 36 (USA 1954) verband die Geschichte eines Raubüberfalls mit der von zwei Polizisten, die in der Vorstadt leben, unter finanzieller Not leiden und in das Verbrechen hineingezogen werden. Die Domestifiziertheit und Friedlichkeit der Vorstädte ist verbunden mit einem hohen Angstpotential, das ebenso schnell in Aggressivität umschlagen kann (darin ähneln die Vorstadt-Geschichten denen der small towns). The Desperate Hours (USA 1955, William Wyler) erzählt von drei Verbrechern, die in einer Vorstadt in ein Haus eindringen und die Bewohner brutal als Geiseln nehmen – das Verbrechen fällt in die Lebenswelt ein wie ein Fluch. Nur knapp können die Geiseln sich befreien. Cape Fear (USA 1962, J. Lee Thompson) machte die Nachbarschaft von Angst und Aggression im Milieu der Vorstädte explizit. Noch Sam Mendez‘ Satire American Beauty (USA 1999) zeigte die Vorstadt als Ort der sozialen Kontrolle und einer selbstverhängten neurotisch untersetzten Normalität.

Literatur: Dickinson, Greg: The Pleasantville effect. Nostalgia and the visual framing of (white) suburbia. In: Western Journal of Communication 70,3, July 2006, S. 212-233.

Referenzen