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Wanderkino: nach 1945

Einsatzgebiet der Wanderkinos, die durchschnittlich 8 bis 10 Orte bespielten, waren vor allem die ländlichen Gebiete der BRD. So zeigten im Jahr 1955 476 Wanderkinobetriebe in 4.102 Gemeinden Filme. Die Zahl der Wanderkinos ging bis 1962 auf 376 Unternehmen (für 3.287 Orte) zurück. Ursache für diesen Rückgang war, dass das nachlassende Interesse am Kinobesuch zunächst bei den schlechter ausgerüsteten Spielstellen einsetzte, ein Verlangen nach technisch besserer Projektion und mehr Komfort entstand, das von vielen Unternehmen nicht erfüllt werden konnte, aber auch, dass viele Wanderkinobetreiber sesshaft wurden.
Anne Paech unterscheidet zwischen zwei Formen des Wanderkinos, die sich nach 1945 durchsetzten: zum einen waren es sogenannte Nebenerwerbs-Kinobetreiber, die das Wanderkinogeschäft noch nach ihrer täglichen Arbeit abends oder auch nur an Wochenenden nebenberuflich betrieben. Sie besaßen eine einfache Kino-Ausrüstung, die an jeder Spiel-Stelle auf- und abgebaut wurde. Zum anderen waren es hauptberufliche Kinobetreiber, die Anschluss an die Technik hielten und möglichst rasch provisorische Säle mit einer festen Kinoausrüstung versahen, damit sesshaft wurden und die anderen Orte als „Mitspielstellen“ mit Filmvorführungen versorgten. Auch wenn der Betrieb der Wanderkinos aufwendig und arbeitsintensiv war und wenig einbrachte, so trug er mittelfristig doch zur allgemeinen Durchsetzung filmisierter Wahrnehmungsweisen und zu einer langsamen Angleichung ländlicher Lebensformen an die städtischen Standards bei.

Literatur: Paech, Anne: Kino zwischen Stadt und Land. [...] Marburg: Jonas 1985.