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Wendepunkt

Ein besonders wichtiger literaturtheoretischer Terminus, der die Vorgeschichte des plot point ausmacht, scheint der Wendepunkt aus der Novellentheorie August Wilhelm Schlegels zu sein. So populär nun aber die Parallelisierung von plot point und Wendepunkt auch ist, hinkt der Vergleich, weil die Novellentheorie sich darum bemüht, ein allgemeines Gattungskriterium zu benennen. In seinen Vorlesungen über schöne Literatur und Kunst (1803/4) weist Schlegel auf die Bedeutung von Wendepunkten hin: „So viel ist gewiß [sic!]: die Novelle bedarf entscheidender Wendepunkte, durch die die Hauptmassen der Geschichte deutlich in die Augen fallen, und dies Bedürfnis hat auch das Drama“. In den zahlreichen Versuchen, das Wesen der Novelle zu benennen, ist immer wieder auf diesen Charakter des Unerwarteten, Überraschenden und Unberechenbaren als Kern der Novellenhandlung hingewiesen worden. Die „unerhörte Begebenheit“ (Goethe im Gespräch mit Eckermann, 29.1.1822), die „plötzliche, unerwartete Fügung, die die Absichten durchkreuzt“: Hier handelt es sich um zentrale Begebenheiten, um Elemente des Textkerns, um jene Ereignisse in einer Geschichte, die auch den Kern eines allgemeineren Textsinnes ausmachen.

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