Metainformationen zur Seite
  •  

Wiener Film

Österreichisches Genre der 1930er bis 1950er Jahre, das lange als das österreichische Kino schlechthin galt. Gemeinsamer Nenner ist der Schauplatz Wien, der vor allem als emotionaler (und weniger als lokaler) Ort fungiert. Hier spielen Liebesgeschichten und Operettenfilme, die in aller Regel als Komödien konzipiert und in der (nostalgisch verklärten) Habsburg- Monarchie angesiedelt sind. Zum typischen Figurenpersonal gehören das patente Wiener Mädel, der bärbeißige Hausmeister, der charmante (nicht selten zynische) Liebhaber. Man begegnet sich auf Bällen und in Weinschänken, trinkt Champagner und Heurigen, gibt sich dem Walzer hin und spricht gemäßigten, für ein gesamtdeutsches Publikum verständlichen Dialekt. Die sozialromantische Idee einer die gesellschaftlichen Schranken überwindenden Heirat des ungleichen Paars ist ebenso Bestandteil des Genres wie eine spezifische Mischung aus Melancholie und Heiterkeit, die sich beide nicht ausschließen, sondern im Gegenteil die emotionale Prämisse des Wiener Films bilden. Zu seiner Perfektion gelangte dieses Genre in den Filmen Willi Forsts (Maskerade, 1934, Burgtheater, 1936, Bel Ami, 1939, Wiener Mädeln, 1944). Während des Nationalsozialismus war die österreichische Filmindustrie auf die Fortführung des "Wiener Films" als einer Grundform deutscher Kinounterhaltung festgelegt. Zentrales Produktionsunternehmen war die Wien-Film, zwischen 1939 und 1945 entstanden über 50 meist erfolgreiche Spielfilme. Erst im Lauf der 1950er Jahre verlor der „Wiener Film“ seine Publikumsattraktivität, findet sich später fast nur noch in volkstheaterhaften Produktionen des Fernsehens.

Referenzen