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xianchang

chines., für: location shooting 

Terminus technicus des neuen chinesischen Dokumentarfilms der Zeit nach 1989. Gemeint ist die Aufzeichnung einer nicht skriptifizierten oder abgesprochenen Szene, mittels derer man den unmittelbaren Gang der Ereignisse erfassen wollte. Zudem dienten diese Szenen als Ausweis einer nicht kontrollierten Filmarbeit (akzentuierten also die Differenz zu den streng kontrollierten, propagandistisch-programmatischen „Dokumentarfilmen“ der Zeit des kommunistischen Regimes). Zum dritten ermöglichte die signifikante Akzentuierung des being on location eine reflexive Form des Filmens, die die Szene und ihre Environments selbst als medialisierte Größe wahrnehmbar macht, einer Reklamation des Authentischen entgegenwirkend, weil die Szene als repräsentierte Szene gekennzeichnet ist.

Literatur: Robinson, Luke: Independent Chinese Documentary. From the Studio to the Street. Basingstoke [...]: Palgrave Macmillan 2013, bes. 29ff. – Robinson, Luke: From "Public" to "Private": Chinese Documentary and the Logic of Xianchang. In: The New Chinese Documentary Film Movement. For the Public Record. Ed. by Chris Berry. Hong Kong: Hong Kong University Press 2010, S. 177-194.