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Zeitreise II: Dramaturgie

Der dramaturgische Reiz des Motivs liegt in der sich ermöglichenden Verbindung unterschiedlicher historischer Situationen und Stationen auf dem Zeitstrahl, ob vorwärts gerichtet als Zukunftsvision (wie bei der Mehrheit Science-Fiction-basierter Filme) oder als Rückblick auf vergangene Zeiten, wie etwa in den 30 Episoden der TV-Serie Time Tunnel (USA 1966-67; vgl. auch den gleichnamigen TV-Film, Kanada 2002). In der Kontrastierung der Zeitmodi Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft werden zumeist auch Reflexionen über den Zustand der jeweiligen Gegenwart und der in ihr lebenden Gesellschaft möglich (als morality play wie in Planet of the Apes, USA 1968, oder als Endzeitvision wie in 12 Monkeys, USA 1995). Grundsätzlich können sowohl dabei (positive) Utopien als auch (negative) Dystopien miterzählt werden, wobei letztere überwiegen. Eine Zeitreise kann geplant werden (mittels einer technischen Vorrichtung wie einer Zeitmaschine), durch physikalische Phänomene (Sturz in Zeitlöcher) erzwungen sein oder als unvorhergesehene bzw. als für vernachlässigbar gehaltene Konsequenz naturwissenschaftlicher Versuche entstehen (The Philadelphia Experiment, USA 1984). Eine weitere Verwendung des Erzählmotivs der Zeitreise liegt vor, wenn Personen als vermeintliche Retter oder als das Schicksal gestaltende Bedrohung aus der Zukunft (aber auch aus der Vergangenheit) in die Gegenwart geraten bzw. geschickt werden, seit Terminator (USA 1984) im Actionfilm wiederholt praktiziert, jedoch bereits vollständig in Mark Twains Yankee vorgeprägt.

Literatur: Chion, Michel: Le voyage temporel dans le cinéma récent. In: Positif, 432, Feb. 1997, S. 70-76. – Rascaroli, Laura: Scopic drive, time travel and film spectatorship in Gilliam's Twelve Monkeys and Bigelow's Strange Days. In: Kinema: a Journal for Film and Audiovisual Media, 15, Spring 2001, S. 29-41.

Referenzen