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Zensur: § 131 StGB (Film und Gewaltverherrlichung)

Nach dem Strafgesetz gelten „Schriften, die grausame oder sonst unmenschliche Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen in einer Art schildern, die eine Verherrlichung oder Verharmlosung solcher Gewalttätigkeiten ausdrückt oder die das Grausame oder Unmenschliche des Vorgangs in einer die Menschenwürde verletzenden Weise darstellt“, als Straftaten. §131 wurde im Zuge der 4. Strafrechtsreform vom 23.11.1973 in das StGB eingefügt. Auf seiner Grundlage finden gerichtliche Totalverbote von Medien statt. Mit dem Aufkommen von Video wurden erstmals auch Filme verboten. William Lustigs Maniac (USA 1980, 1983 vom AG München verboten), folgten bis heute etwa 120 weitere Filme, darunter Tobe Hoopers The Texas Chainsaw Massacre (USA 1974, Verbot: 1985) oder George A. Romeros Dawn of the Dead (USA/Italien 1977, Verbot: 1991). Die Beschlagnahme zieht ein totales Handelsverbot nach sich, führt zur Bestrafung des Herstellers und Vernichtung der Masterkopie des inkriminierten Films. Kritisiert wird das Verfahren, weil es die Kunstfreiheit des Grundgesetzes einschränkt, oft in Abwesenheit des Angeklagten stattfindet und unterschiedlichste, teilweise unkonkrete Kriterien („menschenähnliche Wesen“) für das Verbot heranzieht. 1991 wurde durch ein filmwissenschaftliches Gutachten die Beschlagnahmung von Jörg Buttgereits Nekromantik 2 (1991) verhindert, dem durch das Verfahren juristisch der Kunststatus zuerkannt wurde. Als das Bundesverfassungsgericht 1992 The Evil Dead vom Vorwurf der Gewaltverherrlichung freisprach, weil darin keine Gewalt gegen Menschen, sondern gegen Zombies zur Darstellung kam, ergänzte der Gesetzgeber 2004 den §131 um die Formulierung „oder menschenähnliche Wesen“.

Literatur: Erdemir, Murad: Filmzensur und Filmverbot. Jur. Diss. Marburg 2000. – Riepe, Manfred: Vom Gespenst der Gewalt. Was Sie schon immer über Gewaltdarstellungen wissen wollten, sich aber bislang nicht zusammenzureinem trauten. In: Das Böse. Hrsg. v. der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland. Göttingen: Steidl 1995, S. 290-327. – Seim, Roland / Spiegel, Josef (Hrsg.): „Ab 18“ – zensiert, diskutiert, unterschlagen. Münster: Telos 2000.

Referenzen