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Zensur: §184 StGB

Der seit Reichsgründung 1871 bestehende Strafgesetzparagraph 184 regelte die Verbreitung und Darstellung von unzüchtigen Schriften – behandelte also zunächst jegliche das Schamgefühl verletzende sexuelle Darstellung in Wort, Schrift und Bild. Später bildete der Paragraph den Kern des Jugendschutzgesetzes und wurde nach dem zweiten Weltkrieg, vor allem aber seit der Aufhebung des Pornografieverbotes (1972) und der Konzentration der Bundesprüfstelle für jugendegefährdende Medien (BpjM) auf pornografische Filmdarstellungen angewandt. Hier sind sogenannte „harte Pornografie“ (Gewaltpornografie wie in J. F. Robertsons A Dirty Western, USA 1975) und Pornografie mit Kindern und Tieren inkriminiert. Die Entscheidungen, die zur gerichtlichen Beschlagnahme solcher Medien führen, sind nicht immer unumstritten: Einer der jüngeren Beschlagnahmefälle, P.G. Murgias Maladoleszenza (Italien 1977), gilt gemeinhin als Kunstfilm und verdeutlicht den Widerstreit zwischen Strafgesetz und Kunstfreiheit. Die Beschlagnahme wurde deshalb möglich, weil eine Erweiterung des Straftatbestandes im Oktober 2004 um die „Darstellungen von Kindern und Jugendlichen in unnatürlich geschlechtsbetonter Körperhaltung“ gemäß §4 des JMStV stattfand. Filme, die nach §184 StGB verboten wurden, unterliegen nicht nur dem Herstellungs- und Handelsverbot – auch ihr Besitz ist strafbar.

Literatur: Seim, Roland / Spiegel, Josef (Hg.): „Ab 18“. Zensiert, diskutiert, unterschlagen. Münster: Telos 2000.