Metainformationen zur Seite

Zitat

von lat. citare = auf-, herbei-, anrufen

In der Literatur bezeichnet Zitat die wörtliche Übernahme einer Wendung, eines Satzes, Verses, längeren Abschnitts aus einem anderen Text. In der wissenschaftlichen Literatur wird das Zitat durch Markierung im Text und durch Quellenangabe kenntlich gemacht. Das filmische Zitat in einem engen, dem literarischen Gebrauch angenäherten Verständnis findet sich als „Film im Film“ und als Element des Kompilationsfilms. Ein Extremfall ist das Remake. In einem weiteren Sinne ist „Zitat“ in der Filmwissenschaft aber nicht allein die originalgetreue Kopie eines Vorgängertextes, sondern wird weicher gebraucht als erkennbare Beziehung zu einem oder mehreren Vorgängertexten. Filme „zitieren“ in diesem Sinne aus Literatur, Theater, Malerei („Bildzitat“), vor allem aus anderen Filmen. Zitiert werden können alle Elemente eines Films, von einzelnen Requisiten oder Dialogstellen über Kamerastil, Musik und Schnitttechnik bis zu ganzen Sequenzen. Die direkteste Form des Zitats liegt also dort vor, wo ein Stück aus einem anderen Film hineingeschnitten oder abgefilmt wird, z.B. beim Kinobesuch einer Figur oder auf einem laufenden Fernsehgerät. Statt einzelner Werke können aber auch bestimmte personale Stile, allgemeine Genremerkmale oder Erzählmuster zitiert werden  Genres selbst beruhen auf der Wiederholung, aber auch auf der ironischen Brechung inhaltlicher und stilistischer Standards (wie in einigen Filmen der Coen-Brüder). Es entstehen u.U. ganze Stilrichtungen, die auf einer solchen weichen zitierenden Bezüglichkeit zwischen Texten und anderen Texten oder Textgruppen beruhen, wie „Retro-Look“ (z.B. im Neo-Noir-Stil), in den Kunstformen des Pastiche, in manchen Hommageformen etc.
Wo Zitate erkannt werden, führen sie zur Doppel- und Mehrfachcodierung des Textes. Dabei übernehmen sie ganz verschiedene inhaltliche und dramaturgische Funktionen, sie dienen als Metapher, zur Figurencharakterisierung, als Hommage, Kritik oder Parodie des Originals usw. Zitate brauchen filmbeschlagene Zuschauer. Sie fordern und schaffen einen Kreis von Eingeweihten, der sie erkennen und benennen kann. Ein Einsatz von Zitaten, der sich speziell an ein Cineastenpublikum richtete, begann mit der Nouvelle Vague. Exzessives, ironisch gebrochenes Zitieren gilt als Markenzeichen des postmodernen Kinos, das längst mit einem filmsozialisierten Massenpublikum rechnen kann.

Literatur: Carroll, Noël: The future of allusion. Hollywood in the seventies (and beyond). In: October 2, Spring 1982, S. 51-81. Repr. in: Interpreting the moving image. Cambridge: Cambridge University Press 1998, S. 240-264. – Meyer, Herman: Das Zitat in der Erzählkunst. Zur Geschichte und Poetik des europäischen Romans. Stuttgart: Metzler 1961.