Lexikon der Filmbegriffe

Selbstmord im Film

Zu einem der häufigsten Ereignistypen im Spielfilm zählen Selbstmord, Selbstmordversuch und Selbstmordgeste. Per se dramatische Ereignisse dienen Selbstmorde innerhalb der filmischen Dramaturgie bevorzugt als point of attack zur Auslösung, als turning point zur entscheidenden Wendung oder als climax zur Auflösung der Handlung. Die Bedeutung, Behandlung und Wirkung eines Selbstmords im Spielfilm ist so facettenreich wie jenseits der Leinwand: vom tragischen Trauer-Selbstmord (Romeo and Juliet) etwa zum rebellischen Freitod (Thelma and Louise, 1991), vom kathartischen Sühne-Selbstmord (Mafia-Filme) zum heroischen Opfer-Selbstmord der Helden (Armaggedon, 1998), vom schurkischen Flucht-Selbstmord des Antagonisten (Hitler) zum verbrecherischen Mord-Selbstmord (Selbstmord­attentäter; Amokläufer). Manche Formen des Selbstmords bleiben als solche oft unbemerkt wie beispielsweise das klassische Duell (Barry Lyndon, 1973-75) oder das Russische Roulette (The Deer Hunter, 1978). Im Genre des Abenteuerfilms ist nicht selten ein suizidaler Typus als Protagonist am Werk. Mannigfach sind auch die Möglichkeiten von Selbstmord und Komik in Spielfilmen, die Formen multilateraler Tarnung von Selbstmord, Mord und Unfall sowie die Auslegung der Möglichkeiten von Selbstmord im Hinblick auf andere Seinsformen (etwa die Untoten im Horrorfilm). Neben Selbstmordfilmen, die dezidierte suicide plots aufweisen, stehen dokumentarische Abhandlungen von Selbstmordthematiken, die in dramaturgischer Hinsicht nicht selten erstaunlich verwandte Erzählmuster aufweisen.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: JTS


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