Lexikon der Filmbegriffe

Fabel und Sujet

engl.: story / plot

Schon die Russischen Formalisten haben die Differenzierung von Erzählung in eine Inhalts- und Ausdrucksebene vorgeschlagen, die sie als „Fabel“ und „Sujet“ (heute gewöhnlich als Doppel von story und plot bezeichnet) gefasst haben. Diese konzeptuelle Unterscheidung ist seitdem mit leichten Modifikationen ein zentrales Instrument der Erzähltextanalyse geblieben. Als fabula oder story wird die zeitlich-lineare (chronologische) und kausal verknüpfte Kette von Ereignissen und handelnden Figuren bezeichnet. Sie ist eine abstrakte, formale Struktur, die mit dem „Geschichten-Wissen“ des Zuschauers – seinem Wissen über die Handlungsschemata, -motive und generische Strukturen – korrespondiert. Das syuzhet bzw. der plot ist dagegen die Präsentation der Fabelereignisse im zeitlichen Verlauf der Erzählung, ihre Auswahl und Anordnung im Film. So kann der Film Handlungsteile aussparen und Informationen ganz gezielt zurückhalten, um den Zuschauer dadurch zu Hypothesen über die Ereignisse anzuregen (wie in manchen Spielarten des Kriminalfilms). Der Plot manipuliert die Zeit, indem z.B. Handlungsteile wiederholt dargeboten werden, wie etwa in Rashomon (Japan 1950, Akira Kurosawa), der dasselbe Ereignis aus den einander widersprechenden subjektiven Perspektiven der Beteiligten erzählt. Oder die temporale Ordnung der Ereignisse ist verändert, indem Flashbacks oder Flashforwards benutzt werden. All diese erzählerischen Strategien dienen dazu, den Zuschauer auf je spezifische Weise in den Prozess der Fabelkonstruktion zu verwickeln und dabei Neugierde und Spannung aufzubauen.

Referenzen:

Erzählung / Narration

Fabel (1)

Fabel (2)

histoire / discours

histoire / discours: Konzeptgeschichte


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: BH HJW


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