Lexikon der Filmbegriffe

Chiaroscuro-Beleuchtung

von ital.: chiaro = Licht; oscuro = dunkel; dt. meist: Helldunkelmalerei; frz. clair-obscur

(1) Geht zurück auf die Malerei seit dem 14. Jahrhundert, die Lichtdramaturgien der Manieristen (Post-Renaissance), des Barock (1530-1650) und der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts. Leonardo da Vinci (1452-1519) thematisierte das Prinzip als Übergang vom Hellen ins Dunkle, Caravaggio (1573-1610) inszenierte in seinen Gemälden scharfe, aber unnatürliche Helldunkelkontraste, Rembrandt (1606-1669) variierte das Prinzip auf Grund seiner Studien zum natürlichen Lichteinfall. In der Helldunkelmalerei geht es generell um die Hervorhebung der Gegensätze und Übergänge von Licht und Schatten. Durch die Akzentuierung der Licht- oder Schattenflächen löst der Betrachter sich von der Farbigkeit der Gegenstände, so dass das Nebeneinander von Hell- und Dunkel-Flächen sich in einer Doppelwahrnehmung mit der gleichzeitigen Präsenz der Farbflächen vereinigt. Abstraktion vom Dargestellten und Integration der vorher voneinander gelösten Bildschichten – Grauskala und Buntfarben, Lichtwert und Tonwert – gehören zueinander. Oft kommt es dabei zur Isolierung der Objekte von ihrem Umgebungsraum, so dass es zur Dramatisierung der Szene, zur Steigerung der emotionalen Spannung, zur Psychologisierung und zur Subjektivierung des Dargestellten kommt. Derek Jarmans Caravaggio (1986) versucht in seinen Bildwelten explizit, die Gestaltungsweisen des Chiaroscuro filmisch nachzuahmen.
(2) Ausgehend von der Helldunkelmalerei wird das Prinzip im 16. Jahrhundert auch auf den Holzschnitt übertragen. In diesen Verfahren werden die Lichter der Vorlage als reinweiße Flächen gegen den Rest der Zeichnung abgesetzt, so dass es zum Eindruck einer äußerst gespannten Lichtatmosphäre der dargestellten Szene kommt.
(3) Oft wird das Chiaroscuro ohne weitere Differenzierung synonym mit Low-Key verwendet.

Literatur: Jatho, Heinz: Bildsemantik und Helldunkel. Ein Beitrag zur Bildsemiologie. München: Fink 1976. – Prater, Andreas: Licht und Farbe bei Caravaggio. Studien zur Ästhetik und Ikonologie des Helldunkels. Stuttgart: Steiner 1992. – Ramírez, Marta Cencillo: Das Helldunkel in der italienischen Kunsttheorie des 15. und 16. Jahrhunderts und seine Darstellungsmöglichkeiten im Notturno. Münster/Hamburg: Lit 2000.
 

Referenzen:

Low-Key / Low-Key-Stil

Rembrandt-Licht

Silhouetten-Beleuchtung


Artikel zuletzt geändert am 17.01.2012


Verfasser: WS JH BR


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