Lexikon der Filmbegriffe

Method Acting

Von Lee Strasberg im legendären Actors‘ Studio in New York Anfang der 1950er Jahre entwickelte Schauspielmethode, die durch das vollkommene Aufgehen des Schauspielers in seiner Rolle eine außergewöhnlich realistische Darstellung erreichen will. Die Methode, die auf der Schauspiel-Theorie des russischen Theaterregisseurs Konstantin S. Stanislawski basiert (der oft sogenannten Stanislawski method), ist weniger als Technik im strengen Sinne zu verstehen denn als eine Art mentales Training. Ziel ist es, durch Erinnerung evozierte Gefühle zur sichtbaren Darstellung zu bringen. Hierfür muss das emotionale oder affektive Gedächtnis – Strasberg sprach auch vom „Erfahrungsgedächtnis“ – des Schauspielers trainiert werden. Über die Erinnerung an eigene Erfahrungen, in denen man einen Bezug zur Rolle vermutet, soll schrittweise eine vollständige Verschmelzung mit dieser erreicht werden. Hierzu gehört im Gegenzug auch, sich der gedachten Lebenswirklichkeit der Figur anzunähern, sich etwa vor Drehbeginn in deren soziales Milieu, deren Arbeitswelt etc. zu begeben.
Das Method Acting hat den typisch amerikanischen Schauspiel-Realismus, der das Hollywood-Kino bis heute prägt, seinerzeit weniger revolutioniert denn zur Vollendung gebracht. In den 1950er Jahren wurde dieser Stil von Schauspielern wie Montgomery Clift, James Dean und vor allem Marlon Brando geprägt. Die Auftritte des jungen Brando in Kazans Filmen A Streetcar Named Desire (1951) und On the Waterfront (1954) gelten als paradigmatische Beispiele für das Method Acting. Brandos wichtigste Epigonen in jüngerer Zeit sind Al Pacino und Robert De Niro; De Niros Rolle in Scorseses Raging Bull (1980) kann als Extremfall des Method Acting betrachtet werden.

Literatur: Naremore, James: Acting in the Cinema. Berkeley/Los Angeles: University of California Press 1988. – Vineberg, Steve: Method Actors. Three Generations of an American Acting Style. New York: Schirmer Books 1991. – Blank, Richard: Schauspielkunst in Theater und Film. Berlin: Alexander 2001. – Jansen, Karin: Stanislawski – Theaterarbeit nach System: Kritische Studien zu einer Legende. Frankfurt: Europäischer Verlag der Wissenschaften 1995.

Referenzen:

emotional recall


Artikel zuletzt geändert am 08.02.2012


Verfasser: MAL


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