Lexikon der Filmbegriffe

Sitcom

Abkürzung für Situation Comedy, also stark dialoglastiger Komödien. Slangausdruck der Variety, der inzwischen Allgemeingut geworden ist. Zunächst in den 1920er Jahren im Radio entstanden, findet sich das Format heute fast ausschließlich im Fernsehen. Sitcoms sind 25- bis 30-Minüter, in denen i.d.R. zwei Lacher pro Minute Pflicht sind. Der Witz entsteht aus Situationen, in denen Figuren sich unangepasst, unangemessen, hilflos verhalten, selbst aber immer wieder auf Szenarien treffen, die ihnen unbekannt sind oder die von vornherein unauflösbare Widersprüche enthalten. Schauplatz der Handlung sind wenige, immer wiederkehrende Orte – Wohnungen, Kneipen, Büros etc. Der witzige Verlauf wird durch Live-Publikumsgeräusch oder durch zugemischtes Publikumsgelächter (laugh track, canned laughter) skandiert – tatsächlich werden viele Sitcoms bis heute vor Publikum gespielt und mit mehreren Kameras aufgezeichnet. Häufig wird mit Auftritten von Gaststars gespielt. Dramatische Verwicklungen sind eher selten und treten erst in Serien auf, die nach 1990 produziert wurden (wie Roseanne, 1988-1997, Sex in the City, 1998ff, oder Friends, 1994-2004).
Die Sitcom wurde in den USA entwickelt, wird heute aber in vielen verschiedenen Ländern produziert. Die erste Fernsehsitcom war wohl Mary Kay and Johnny, die in 15-Minuten-Folgen ab 18.11.1947 auf dem DuMont Television Network ausgestrahlt wurde. Die Show wurde live ausgestrahlt und spielte in einer New Yorker Wohnung. Die erste deutsche Sitcom war Ein Herz und eine Seele von Wolfgang Menge (1973-76), die wie ihre amerikanische Version All in the Family (1971-79) auf dem britischen Format Till Death Do Us Part (1965-75) beruht. Heute finden sich sogar animierte Sitcoms wie The Simpsons (1989ff).

Literatur: Brook, Vincent: Something ain't kosher here: the rise of the "Jewish" sitcom. New Brunswick, NJ [...]: Rutgers University Press 2003. – Morreale, Joanne (ed.): Critiquing the sitcom: a reader. Syracuse, NY: Syracuse University Press 2003. - Staiger, Janet: Blockbuster TV: must-see sitcoms in the network era. New York [...]: New York University Press 2000. – Wolff, Jürgen: Sitcom. Ein Handbuch für Autoren. Tricks, Tips und Techniken des Comedy-Genres. Köln: Emons 1997.
 

Referenzen:

good value comedy

Hitcom

Sitcom: Untergruppen

Situationskomödie


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: TB JH


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