Lexikon der Filmbegriffe

Psychothriller

Ziel des Psychothrillers ist die Spannungserzeugung, die weniger auf einem Rätsel (wie im whodunit) beruht, sondern vielmehr die Zuschauer Anteil an der Angst und an der Empfindung der Bedrohung durch die Figuren der Handlung nehmen lässt. Dabei wird gerne mit der Erwartungshaltung der Zuschauer gespielt, sie werden irritiert, erschreckt, in die Irre geleitet, an die Wahrnehmung und Situation eines Protagonisten angebunden (z.B. durch subjektive Kamera), auf jeden Fall emotional und kognitiv (Wissensvorsprung) involviert. Die Grenzen zum Horrorfilm, als dessen Untergenre der Psychothriller anfänglich galt, sind fließend. Ebenso wenig genau lässt sich der erste Psychothriller terminieren, schon in den 1940er Jahren entstanden markante Beiträge zum Genre (wie z.B. Gaslight, 1943). Generell gilt Hitchcocks Psycho (USA 1960) als einer der maßgeblichen Psychothriller.
Im Psychothriller wird häufig der Einbruch des Bedrohlichen in ein normales Leben zelebriert. Sehr oft sind die Helden von Psychothrillern Frauen, was die Handlungsohnmacht, aus der sich der Held oder die Heldin im Verlauf der Geschichte befreien muss, nur unterstreicht. Die dominierende Perspektive der Erzählung ist die von Opfern, von wehrlosen Beteiligten, von Figuren, die ohne genaueres Wissen zum Ziel einer oft mörderischen Intrige werden. Ihre Wahrnehmung des Geschehens entlässt die relevanten Thrill-Impulse, die Konsequenz, mit der Spannung aus der Perspektive einzelner Figuren induziert wird, unterscheidet den Psychothriller von anderen Spannungsgenres. Dabei geht die Bedrohung für die Protagonisten meist von ihnen nahestehenden Personen (Partnern, Kindern, Eltern, Freunden, Babysittern usw.) aus, die sich als Psychopathen entpuppen. Der Psychothriller dramatisiert darum fast immer eine paranoide Grundkonstellation.


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: KJ HJW


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